A witchy Life

by Napgyermek


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Ma
Beltane 2017
10.05.2017 23:10
Magdalenenkapelle
Rheinufer

Beltane wird von vielen Wiccanern traditionell in der Walpurgisnacht zelebriert. Als freifliegende Hexe bin ich mir hingegen bewusst, dass sich der Grundgedanke der Kunst an der Natur selbst orientiert und weniger an Dogmen der jüngeren Zeit, zumal jeder Sabbat lediglich den Höhepunkt einer Jahreszeit markiert und die Energie entsprechend nicht nur stur an einem einzigen Tag oder Abend fliesst... So feiere ich die grossen Feste traditionell nach dem Mond, wie ich die kleinen Sabbate nach dem Stand der Sonne im Jahresverlauf.

 

Gemäss dem natürlichen Kreislauf entspricht Imbolc dem 2. Vollmond des Jahres, Beltane dem 5., Lammas dem 8. und Samhain dem 11. Esbat des Jahres.

 

So wanderte ich heute also erneut, nach bereits geleistetem Tagwerk, spontan dem Tal des Dörfchens entgegen, an der grossen und prachtvollen Kirche und dem ehemaligen Kloster vorbei, zu der kleinen Magdalenenkapelle an der Spitze der Insel. Auch dort wählte ich den schmalen Pfad, der an dem schmucken Bau vorbeiführte: Umgeben von wild wachsendem Wiesensalbei, Spitzwegerich und allerlei weiteren Heilpflanzen zog es mich zum abgelegensten Punkt des alten Kraftorts. Umgeben vom gemächlichen Gang von Vater Rhein um mich herum fand ich den vertrauten Weg zu einer versteckten, verwitterten Steinbank inmitten des saftigen Grüns.

 

Hier, an diesem östlich gelegenen Punkt, finden sich oft Schwanenfedern und prompt konnte ich eine ganze Hand voll der herrlichen Luftsymbole zusammentragen.
Ich hatte Glück und störte weder den grosszügigen Spender noch seine Familie; sonst wäre ich schweren, aber respektvollen Herzens umgekehrt.
Zwei von ihnen legte ich behutsam auf den Altar, bedacht darauf, ihre bisher makellos erhaltene Schönheit nicht zu zerstören. In ihrer perfekten, sich ergänzenden Zweisamkeit verkörperten sie die ewige Liebe und Treue, die reine Schönheit eines aufrichtigen Bundes. Die restlichen Federn übergab ich mit guten Wünschen an den mächtigen Rhein, auf dass er etwas Leichtigkeit und die Schönheit des Augenblicks in diese oft so schwere, graue Welt zu tragen vermag... So mote it be.

 

Nach diesem ersten, spontanen Zauber machte ich mich weiter daran, einen kleinen Altar aufzubauen. Ich pflückte die zartosa schimmernden Köpfe eines Rotklees, der ganz in der Nähe erblühte. Mit diesen formte ich ein kleines Herz, um den Spirit des Sabbats greifbar zu symbolisieren: Beltane, der zweithöchste Sabbat des Hexenjahres (und mein persönliches Lieblingsfest), steht im Zeichen der Liebe und der Fruchtbarkeit.

 

In diesem Sinne entzündete ich eine kleine Wachskerze in den Farben des Sabbats, als Symbol für die Flamme der Liebe und der erotische Funke, der sich in der Zeit des Frühlings bei so manchem und so mancher explosionsartig entzündet. Diese farbenfrohe Kerze entstammt dem Laden auf der Klosterinsel, in welchem meine Klienten ihre Werke verkaufen. Wie auch ihre kleinen und grossen Kunstwerke stammen auch diese Kerzen aus geschützten Beschäftigungsplätzen, an denen sich offenbart, dass "behindert" keineswegs ein Synonym für "in absolut allem komplett verhindert" ist.

 

Abgesehen von diesem spontan erarbeiteten Hilfsmittel und den Zigeunerkarten, die ich immer in der Hosentasche aufbewahre, hatte ich nichts an Werkzeug zur Hand. Der Stab lag weit weg, auf dem Hausaltar, direkt neben dem Kristallschädel und dem Hagstone, der mich einst nur wenige hundert Meter weit entfernt am Rheinufer fand... Den Medizinbeutel hatte ich zwar bei mir, jedoch verspürte ich nicht das Bedürfnis, ihn zu nutzen. Stattdessen sang ich klassische Liebeslieder an die Natur, formte meine Zauber mit der Macht der Worte in kraftvollen Gedanken und Gebeten, vollzog eine Divination und zeichnete mit dem Finger Muster in den weichen Ufersand. Und das alles frei vom Herzen weg, wie es mir gerade in den Sinn kam und wie ich es gerade als passend empfand. Überhaupt war dies einer der Momente, indem ich einmal mehr die Weisheit verstand, die mir meine Mutter seit meinem Dasein als Wicce konstant und voller Überzeugung mit auf den Weg gab: "Du selbst bist das Werkzeug. Es braucht nichts ausser Deinem Willen und die Akzeptanz der Natur."

 

Sie hat recht, nach wie vor.
Es ist wohl das schlichteste Beltane, das ich bisher je feierte, aber nie hat es sich richtiger angefühlt.
Danke.

Beltane-Altar
Flamme der Liebe

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