A witchy Life

by Napgyermek


18
Ju
Krönung der Alpen
18.06.2017 20:10
Der Gesang der Berge

"As above, so below."

 

Diese wiccanische Weisheit trifft durchaus sehr treffend auf Cirrus und mich zu, zumindest was einige unserer Charaktereigentschaften betrifft. Wir sind ein gutes Team, weil wir uns entsprechend ergänen.

 

Ich komme sehr nach meiner Mutter: Die Welt ist mein Zuhause, die Ferne meine Heimat. Ich liebe die unendliche Weite der ungarischen Puszta, die sich bis weit über den Horizont hinaus erstrecken kann. Die hohen, oft kalten Berge der Schweiz empfinde ich, umgekehrt, eher als einengend, gar bedrohend, da sie die Nebel in die Täler einkesseln, und mir damit die klare Sicht auf alles nehmen. Sie bestehen aus harte, unnachgiebigen Gestein, oftmals umgeben von Eiseskälte. Seit dem Tod unseres Vaters, meiner einzigen Schnittstelle zu diesem Land, verkümmert meine Sympathie für Helvetien zunehmend und auch grösstenteils ungebremst.

 

Ganz anders Cirrus: Diese Seele ist kein Schweizer, sie ist Eidgenosse.
Er ist kein Kind der heissblütigen Ebene, viel mehr strebt er nach den höchsten Gipfeln einer Nation, die nach aussen hin, ähnlich wie er, unscheinbar wirkt, während sie in Wahrheit ungeahnte Schätze beherbergt.  Cirrus ist der Einzige, der sich nach einem Ungarn-Trip wieder auf "dihei" freut, loyal ergeben und mit einer stoischen, fast schon snobistischen Inbrunst der Überzeugung – ohne das jetzt abwerten zu wollen, ganz ehrlich, irgendwie finde ich das sehr bewundernswert! Er ist die Ruhe selbst und er steht mit beiden Beinen fest auf der Erde, obwohl seine Seele höheren Sphären angehört... Und umgekehrt bin ich der stürmische Geist, den Kopf immerzu in den Wolken, der oftmals schmerzhaft wieder auf den Boden der Tatsachen aufprallt.

 

Wie auch immer.
Jedenfalls war heute schönes Wetter, uns bat sich eine glückliche Gelegenheit und so wollte ich ihm den Wunsch nicht verwehren, sich in stürmischen Zeiten auf dem Boden zu erden und weiter zu verwurzeln, der uns nunmal "arbeitstechnisch unterstellt" ist.

 

So besuchten wir heute den Rigi Kulm, den höchsten Gipfel eines Bergmassivs, das hoch über der Wiege der Nation thront.

Wir wählten bewusst den Sonntag, den Höhepunkt der Kraft in der astrologischen Woche... Wir planen ja eine aufbauende Energie, die sich wellenförmig vom Berggipfel über das ganze Land legen sollte.
Mit dem Zug genossen wir eine lange und gemütliche Fahrt, erst vorbei am Zürisee, dann am Zugersee entlang, wo der Rigi Kulm sich bereits von weitem her in voller Pracht offenbarte.

 

Da wir ein Weilchen auf das Rigibähnli warten mussten, schauten wir noch kurz bei der nahen, katholischen Kirche von Arth-Goldau vorbei. Im Vergleich zu den ungarischen Prachtbauten wirkte sie in meinen Augen direkt schlicht, jedoch zeigten sich die Kristallschädel im Rucksack begeistert ob der Gelegenheit spirituell vorab wirken zu können, als eine Art "Aufwärmübung", und auch Cirrus war dem gerade beginnenden Gottesdienst als Christian Wicca nicht unbedingt abgetan.

Und während das Trio im Kirchenschiff beschäftigt war, wartete ich davor und lauschte den Glocken, die schallend ihren Segen gen Himmel trugen, wo das Auge der Göttin bereits zur frühen Stunde als Sichel zwischen den alten Dächern silbern leuchtete.

Auf der obersten Spitze des dröhnenden Kirchturms glänzte ein goldenes,
ungarisches Kreuz in der Sonne, als liesse es die Liebe meiner Herzensheimat, wo es allgegenwärtig scheint, tröstend auf mich niederstrahlen, einem Hoffnungslicht gleich. Ich beachtete dieses Zeichen und fühlte mich sicherer, obwohl ich noch nicht genau wusste, was uns auf diesem Abenteuer erwarten würde...

Rigi Kulm
Cirrus arbeitet energetisch
Steinmannli
Gipfelkreuz am Rigi Kulm

Schliesslich fuhren wir mit der Zahnradbahn auf den höchsten Gipfel des Rigimassivs, fast 1800 Meter über Meer. Cirrus grinste breit und zeigte ausserordentlich gute Laune, obwohl ich ihm zuvor mit meiner neusten Errungenschaft, einem veganen Sonnenschutz, wortwörtlich eine ordentliche Abreibung verpasste. Ihn schien jedoch nichts zu stören, auch nicht der Druckausgleich, der in der Höhe stattfindet: Während ich bereits im Aufweg innerlich jammerte, zeigte er keinerlei Beschwerden, sondern klebte fasziniert an der Fensterscheibe das Bähnleins, das uns höher und höher emporhob.

 

Als wir zur Mittagszeit, dem höchsten Stand der Sonne, auf dem Rigi Kulm ankamen, fanden wir (wie erwartet) zahlreiche Touristen vor. Doch trotz des Ansturms schienen die Kristallschädel dafür zu sorgen, dass uns die Ruhe zugestanden wurde, die wir für unser magisches Werk benötigten: Mitten auf einer Alm, auf der noch die herrlichsten Frühlingsblumen wild erblühten, fanden wir einen ruhigen Fleck. Wir bauten mit unseren Stäben ein Kraftfeld auf, setzten die Schädel auf die Wiese und liessen sie ihren Segen vollziehen, während wir selbst mit den Stäben unseren energetischen Anteil beisteuerten. Die Prozedur dauerte recht lange; über eine Stunde lang schufen wir ein sich wellenförmig ausbreitendes Netz über das ganze Land, auf dass es geschützt und von Unglück verschont bleibt. Anschliessend konnten wir uns endlich frisches Quellwasser, je ein Weggli und einen Apfel zum späten Mittagessen gönnen.

Rigi-Klösterli
Magie in der Kirche
Licht an die Lady
Bote der Winde

Den kleinen Powerschub der mitgebrachten Mahlzeit sollten wir bitter nötig haben, wie sich bald herausstellte, denn sowohl Cirrus als auch die Kristallschädel bestanden darauf, den Abstieg weitgehend zu Fuss zurückzulegen – so blieb mehr Zeit, um den Berg spiralförmig mit seiner Basis zu erden und energetisch zu festigen. Ich war mir der Mittagshitze und meines Übergwichts schmerzlich bewusst, ausserdem machten mir die Ohrenschmerzen, die ich durch den Druckausgleich erhielt, arg zu schaffen. Aber was will man gegen so eine motivierte Horde schon machen? ;)

 

Wir wurden auf spezielle Art für die Mühen belohnt. Nicht nur, dass sich keiner von uns beim Abstieg etwas brach, uns begleiteten auch zahlreiche Schmetterlinge die ich ebenfalls wieder als Zeichen meiner Herzensheimat wiedererkannte auf dem Weg und wir begegneten so manchem Steinmannli auf dem kurvenreichen Weg, der zurück ins Tal führte. Auch kamen wir an einigen Hotelbauten vorbei, denen man die langen und fordernden Jahren des Berges deutlich anmerkte. Ich fand diesen Anblick sehr spannend, sowohl optisch als auch historisch.

 

Irgendwann begann es mich zu wundern, wie gut mein Körper den Ohrenschmerz wegsteckte. Ob es am langsamen Abstieg lag? Froh und dankbar war ich jedenfalls dafür, denn es erleichterte mir vieles.

 

Schliesslich, als wir nach über einer Stunde auf rund 1300 Meter über Meer herabgestiegen sind, kamen wir beim Rigiklösterli, das der Maria zum Schnee geweiht ist, an. Die äusserlich unscheinbare Kapelle gilt als eine der berühmtesten Wallfahrtskirchen des Landes. Entsprechend rechneten wir damit, dass sie an einem Sonntag gut besucht war, jedoch waren wir nahezu eine volle Stunde lang fast komplett alleine darin! Lediglich 2-3 Besucher kamen kurz herein, gingen aber jeweils recht bald wieder weiter. So war es uns tatsächlich möglich, erstmals offen in einer helvetischen Kirche magisch zu arbeiten, noch dazu in einer derart prächtigen, denn das schlichte Äussere täuschte ordentlich!
Die Kristallschädel waren darüber hocherfreut und pulsierten schwingungstechnisch entsprechend, während Cirrus und ich zu Friedensgebeten meditierten.
Zum Schluss
stifteten wir dem Klösterli zum Dank nicht nur einige Münzen, sondern auch ein von uns gesegnetes Licht, das wir vor dem Hochaltar platzierten – Plaketten gab es im Vorzimmer schliesslich genug und selbst da liessen wir frommen Pilgern ein paar Geschenke zurück: Sämtliche, ungarische Heiligenbilder und Marien-Medaillen, die wir bei uns trugen.

 

Als wir nach einem Coupe Romanoff im nahen Berghotel den Rest der Rückreise antraten, waren wir alle erschöpft, aber gllücklich. Wir hatten viel gegeben und werden damit viel erreichen.

So mote it be! Blessed be!

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