A witchy Life

by Napgyermek


02
Au
Lammas 2017
02.08.2017 00:40
Abenddämmerung

Ich mag den Namen "Lughnasadh" wesentlich weniger als das schlichte, singsangähnliche "Lammas".
Nicht wegen der (nur vermeintlich) komplizierteren Schreibart, sondern weil ich an Lammas den schleichenden, symbolischen Tod des Gottes jeweils zwar wahrnehme, er für mich aber energetisch noch nicht so präsent scheint. Dafür ist der Sommer noch zu erfüllt mit der Lebenslust der Menschen, die Tage sind noch zu lange hell, das Korn steht noch in voller Grösse auf den Feldern.

Maisfeld-Segen
Natürliches Feuerwerk

Vielleicht liegts aber auch daran, dass Lammas – vorausgesetzt, man zelebriert am traditionellen Datum statt nach Lunarkalender, also in der Nacht vom 1. August auf den 2. August – in der Schweiz, in der ich nunmal grösstenteils lebe, direkt auf den Nationalfeiertag fällt: An diesem Tag wird der populärste Bundesbrief, datiert auf Anfang August 1291, gefeiert, der quasi als die "Gründungsurkunde der Schweiz" gilt. In jeder Gemeinde werden viele Landes- und Kantonsfahnen aufgehängt (die Beflaggung ist meines Wissens nach sogar gesetzlich festgehalten!), man sitzt als Gemeinschaft zusammen, um bei Musik und guter Laune zu essen. Die Gemeinde spendiert jedem Einwohner einen Salat, es gibt aber auch Cervalt, Bratwurst und Kuchen, alles aus der Region. Die Verkauferlöse gehen an jeweilige, regionale Vereine wie etwa Schützengesellschaften. Anschliessend läuten die Kirchglocken 15 Minuten, ehe pünktlich um 20 Uhr die Nationalhymne angestimmt wird, auf die eine Festrede eines eingeladenen Politikers erfolgt. Anschliessend, bei Einbruch der Dunkelheit, entzündet jedes Dorf auf dem Hügel ein traditionelles Höhenfeuer. Auch wird oft Feuerwerk gezündet, oder Bengalzündhölzer und leuchtende Lampions entfacht.

 

Kurz gesagt: Die traditionelle Lammas-Nacht ist in meinem Breitengrad erfüllt mit einem schier ungewohnten Ausmass an Lebendigkeit (für Schweizer Verhältnisse), erfüllt von Brauchtümern und Traditionen. Das Leben scheint im Moment zu ruhen, auch wenn die Uhren anders ticken wollen.
Aber es ist auch okay so... Die Vergänglichkeit kommt früh genug. Immer.

Höhenfeuer
Kristallherz-Altar

Cirrus, mit Abstand der einzige, helvetische Patriot in der Familie, genoss den Abend in vollen Zügen, erst bei Cervelat mit Kartoffelsalat und Brot, dann bei einem Stück seines Lieblingskuchens, der Schwarzwälder Kirschtorte. Dazu kippte er ordentlich Zitronenlimone, natürlich alles aus Schweizer Eigenproduktion. Er hüpfte vergnügt zur Schunckelmusik eines älteren Herrn mit einer Handorgel, während ich, deren Herz noch immer geistig in Ungarn weilt, eher so nebenher trottete und gute Miene zum überraschend angenehmen Spiel machte. Im Ernst! Der Salat mundete, der Festsaal war nicht überfüllt, die Leute um mich herum wirkten ungewöhnlich nett, ich unterhielt mich mit Anwohnern, die mir zumindest bekannt sind (bei all den Neuzuzügen hier ist das ein Privileg, kein Witz), die Musik war nicht nervig und der Festredner war trotz seiner rechtsgerichteten Partei überraschend-erfrischend liberal.

Es war ein schöner Abend!
Muss auch mal gesagt werden, bei all der chronischen Kaffkritik meinerseits. ;)

 

Nach dem Essen, der Festsprache und der Hymne, die ich übrigens aus reinem Protest auf Schweizerdeutsch und nicht auf Hochdeutsch sang, machten Cirrus und ich uns schon bald auf, Richtung Höhenfeuer. In der Dämmerung brachte mein kleiner Bruder das Licht des Gottes an die nahen Felder und wir sprachen Segenssprüche, damit die Ernte gut ausfalle möge.

 

Anschliessend erklommen wir den Hügel. Die Dämmerung war noch hell und das Feuer noch nicht entzündet, also entzündeten wir unsere Bengalzündhölzer und genossen dazu die Aussicht auf den Kern unseres Heimatdörfchens, aus dem immer wieder herrliche (aber leider auch sehr laute) Feuerwerkskörper emporstiegen. Parallel dazu blitzte es über dem nahen Rheinufer im Sekundentakt, aber das ist das Gute an Weych: Das Unwetter bleibt unserem Hügelkessel oft fern.

Schliesslich, etwa um halb Zehn, wurde das Feuer entfacht, als die Dämmerung der Dunkelheit Platz machte. Die Funken tanzten hoch in den Himmel, es war eine wahre Augenweide – und entsprechend dauerte es eine ganze Weile, bis ich Cirrus endlich von dem eindrücklichen Anblick lösen konnte. Es war schon spät und er musste ins Bett, da morgen seine Arbeit wieder ruft... Wobei seine Arbeit ihn erst morgen ruft; für mich wird die Festnacht noch wesentlich länger.

 

Denn während wir mit den Feuerteufeln auf dem grünen Hügel tanzten, schwingten Pu und Belle zu Hause bereits den Sabbat-Altar energetisch ein.
Da bereits früh Unwetter für die Nacht angekündigt wurde, bauten wir den Altar trotz sommerlicher Temperaturen im Haus auf. Das Mandala wurde bereits zuvor mit aktuellen Energien geschaffen. Darum herum platzierte Cirrus seine Schweizer Bergkristalle, während ich die Lichtdiamanten meiner Mutter positionierte: Selbst im Tod soll der Funke der Hoffnung bewahrt werden, der stärkste und schönste Funke von allen. Unbewusst haben wir den Altar dabei in Form eines Herzens aufgebaut.

 

Dieser Sabbat stand im Zeichen des Dankes, auch wenn die Ernte erst eingefahren wird.
Ich bin dankbar dafür, dass die kollektive Dunkelheit abzuschwächen scheint.
Ich bin dankbar dafür, dass im letzten Halbjahr zumindest nicht alles schlecht war.
Ich bin dankbar dafür, dass wir nach Hause reisen konnten und eine tolle Zeit hatten.
Ich bin dankbar für viele Menschen, die in mir schöne Erinnerungen schufen und schaffen.
Ich bin dankbar dafür, dass wir gesund sind und uns keine existenzielle Katastrophe widerfahren ist.
Ich bin dankbar dafür, dass alles Belastende irgendwie gemeistert und überstanden werden konnte.
Ich bin für so vieles dankbar, im Kleinen wie im Grossen. Und ich denke, ich sollte mir das ruhig öfter mal vor Augen führen.

 

Die Tarot-Divination hat aufgezeigt, dass zwischen Lammas und Mabon eine spannende Zeit vor mir liegt. Schutz und Erdung sind notwendig, um den Mut zu finden, aus dem Kraft und Stärke resultieren werden. Eigeninitiative ist gefragt. Aber das persönliche Wachstum ist erkennbar, ebenso die Besinnung auf die eigenen Wurzeln. Standhaftigkeit und Aktionismus werden reich belohnt werden. Die Zeit ist nicht mehr länger ein grosser Problemfaktor, sondern eher ein hilfreicher Kanal.

 

Ich freue mich und blicke nach vorne.

Die Zeit der Ernte
Die Nacht des Zeus

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