A witchy Life

by Napgyermek


10
Ju
Sturm
10.07.2017 20:10
Flower-Power-Festdeko
Feuerzauber

Es gibt sie: Diese Tage, an denen einfach alles schief geht... Dabei hatte es so gut angefangen!

 

Ich erschien bereits früh zum Dienst, obwohl ich hätte ausschlafen können.

Ich erledigte endlich mal Dinge im Büro, die ich schon viel zu lange vor mich herschob. Dass sich dabei zwei Termine zeitlich überschnitten, fiel mir erst später auf und die Meldung an entsprechender Stelle habe ich doch im Arbeitsfluss tatsächlich vergessen... Oi!

 

Wat solls. Weiter ging es.

Weil ich viel zu früh dran war hatte ich immerhin genug Zeit, um beim Aufbau für das alljährliche Abschlussfest von uns Lehrlingen helfen zu können. Wir waren mit mir immerhin zu dritt und ich hatte eine tolle Zeit mit meinen Oberstiften, die ich leider im Laufe meiner Ausbildung zunehmend seltener gesehen habe – der "Fluch" einer geschlossenen Abteilung halt.

 

Auch meinen letztjährigen Praxisausbildner, den ich privat als Kollege sehr lieb gewonnen habe, habe ich nach langer Zeit mal wieder etwas länger sehen dürfen, da er beim Aufbau mithalf. Er hatte seinen Labrador, Luna, dabei. Sie ist noch immer ein ganz wohlerzogenes, liebes Seelchen, die mir sehr gefehlt hat!

 

Nach langer Zeit hatten wir also endlich mal wieder gemeinsam ein paar heitere, unbeschwerte und schöne Momente. Während die beiden Oberstifte den Aussenbereich mit Planen vor dem drohenden Regen schützten, dekorierte ich die gemütliche Waldhütte mit dem Material, das mir zur Verfügung gestellt wurde. Kurioserweise war ich passend angezogen: So verwandelten sich die Tische in bunte Blumenwiesen und warmer Kerzenschein zauberte eine kuschelige Stimmung, während es draussen merklich abkühlte.
Ich entfachte ein Feuer im Kamin der Hütte und war begeistert, dass ich es gleich beim ersten Versuch so gut in Gang brachte, obwohl das Element Feuer mir mit Abstand am wenigsten liegt, noch immer, obwohl ich im Marsjahr für meine Verhältnisse überdurchschnittlich viel geräuchert hatte... Doch die Flammen tanzten hoch und hell im Dunkel, das mich äusserlich wie auch irgendwie innerlich umgab.

 

Ich war also guter Dinge... Noch.

 

Vor dem Festbeginn rief dann noch eine interne Schulung.

Obwohl ich im Frontunterricht an brutaler Aufmerksamkeitsschwäche leide, konnte ich überraschend gut präsent bleiben. Nach dem Unterricht suchte ich noch in die Cafeteria auf dem Klinikgelände auf: Ich wollte ein paar Brötchen besorgen, da mir das arme, ausgeweidete Schweinchen am Spiess (das ich in der internen E-Mail erst für einen flotten Spruch, einen Scherz, hielt!), das neben der Waldhütte vor sich hin brutzelte, doch arg zuwider war.

 

Als mich später die Arbeitskollegin netterweise wieder zur Waldhütte fuhr, musste ich beschämt feststellen, dass es genügend leckere, vegetarische Alternativen gegeben hätte.

Enttäuschung Nummer 1.

Enttäuschung Nummer 2 folgte sogleich, oder besser gesagt: Noch davor. Denn noch bevor wir losfuhren, brach der Himmel innert Sekunden eine Apokalypse über uns herein und schickte einen wahren Regensturm, begleitet von Blitz und Donner.

Und als ob das alles noch nicht reichte, erreichte mich Enttäuschung Nummer 3 per Telefon, bei schlechtem Empfang: Mutter meinte, Cirrus blieb heute zu Hause, da es ihm nicht gut gehe. Auch sie wurden vom Sturm überrascht und es regnete bei geschlossenen Fenstern in jeden verdamten Raum der Wohnung! Hausflur, Küche, Wohnzimmer und unsere drei Schlafzimmer, einfach alles stand gleichzeitig unter Wasser! Meine Mutter wusste nicht, wo sie zuerst aufwischen sollte. Sie war nervlich hörbar angeschlagen und das schlug mir wiederum arg auf den Magen. Noch im strömenden Regen hetzte ich meinen zweistündigen Arbeitsweg nach Hause, während meine Gedanken förmlich auf meinen Magen, meinen Kehlkopf und meine Tränendrüsen einprügelte.

 

So verpasste ich ein paar lockere Stunden im Beisein on Arbeitskollegen.

Ich liess meine eher scheue Praktikantin im Stich, die am Fest lediglich die Arbeitskollegin, die mich fuhr, und mich kannte.

Ich verpasste die Meinung der Feiernden zu meiner Deko, obwohl mich ihre Meinung interessiert hätte, da ich mir schon grosse Mühe gegeben hatte und mir stundenlang für ein paar bunte Ballons die Lunge ausquetschte.

 

Stattdessen kämpften wir fluchend und aufgeregt gegen ganze Schwälle an Wasser und Dreck.

Ich schluckte meinen Ärger bezüglich der Floskeln der Kollegen, die den Rat bestimmt ehrlich und wohlgesonnen meinten, herunter: "Du musst Dich mal abgrenzen, das ist ja nicht Dein Problem!" "Chills einfach!"

Meine Familie ist mir halt nicht egal. Deal with it. Auch wenn ich Euch auch lieb hab.

 

Ich hoffe, sie hatten alle wenigstens ein schönes Fest und konnten die gemeinsame Zeit geniessen – bei uns liess der Regen ja nach diesem spontanen Harmageddon zum Glück nach...

Wenn ich Glück habe, sehe ich einige Mitlernende am Freitag abend noch, da haben wir uns alle für eine Restaurantrunde verabredet.

 

Think positive! :)

Himmelstränen

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