A witchy Life

by Napgyermek


04
Ju
Wasserzauber
04.06.2017 19:20
Hallenbad Bülach-Hirslen
Cirrus unter dem Regenschauer

Das Wetter meinte es heute gut mit uns, obwohl die Wetterfrösche das Gegenteil vorhergesagt wurde. Es war warm und es wurde im Laufe des Tages sogar sehr sonnig und sommerlich. Cirrus und ich nutzten diese Gunst der Stunde und suchten, nach langer, unfreiwilliger Pause, endlich mal wieder das unser Stamm-Hallenbad in der Region auf.

 

Entsprechend möchte ich diese Gelegenheit einmal nutzen, um ein wenig über die Magie meines kleinen Bruders zu reden. (Wobei "klein" schon lange nicht mehr angebracht ist, da er mich inzwischen über einen Kopf überragt – was waächst der Kerl auch nur in die Höhe statt in die Breite, bei all den Massen an Pommes?! Egal...) Ich finde, er ist selbst ein bisschen wie das Element Wasser, das er so sehr liebt: Äusserlich erscheint er still, lediglich die Aussenwelt reflektierend, ähnlich einer ruhigen und friedlichen See. Tief unter seiner Oberfläche erstrecken sich jedoch ungeahnte Tiefen, die wahre Schätze wahren... Cirrus ist in meinen Augen tatsächlich ein kleiner Grossmeister, denn einerseits erscheint er völlig unscheinbar und schlicht, jedoch hat er in Wahrheit ein unfassbar feines Gespür für Energien und er begreift sehr viel mehr als es auf den ersten Blick den Anschein macht, gerade im Zusammenhang mit Fabelwesen. Speziell ist er von Meerjungfrauen, Feen und Einhörnern angetan, aber auch von Elementen der Huna-Spiritualität, denn er scheint ein starkes Bündnis mit dem Meer zu haben, obwohl er – wie ich auch – ein Luftkind und ein Kind der Sterne ist... Diesbezüglich sind wir uns sehr ähnlich, mit dem Unterschied, dass ich viel, oftmal zu sehr "theorielastig" bin und mich einzig auf die Erweiterung meines Wissens konzentriere, während er seine Magie einfach lebt, unkompliziert, oftmals sogar ohne Hilfsmittel und wenn, dann mit solchen, die man für gewöhnlich nicht einmal als solche erkennt, beispielsweise mittels seinem Lieblings"werkzeug", Tanz und Gesang, oder mit Spielsachen als Symbolen.

 

So war es auch heute.
Cirrus war voll der Vorfreude auf den heuigen Tag; ich merkte ihm an, wie sehr er sich nach dem Himmelblau des Wassers sehnte. Sogleich legte er beim Signal zum Aufbruch seine singende Vaiana, ohne die er zu Hause nie anzutreffen ist, zur Seite und tauschte sie gegen seine Badebarbie: Eine nahezu komplett in Himmelblau gehaltene, inzwischen reichlich rampnierte Meerjungfrau. Cirrus benannte sie von Anfang an voller Begeisterung mit Hannah und erst spät merkte ich, dass er bereits bei dieser Namensgebung erstaunlich gut überlegt hat: Früher schaute ich oft Animes, die es gar nicht erst bis Europa schafften bzw. erst sehr viel später. So auch
Mermaid Melody, die Saga um sieben bzw. acht Meerjungfrauenprinzessinnen mit magischem Gesangstalent. Jede Prinzessin trägt dabei eine andere Flossenfarbe, je nachdem, aus welchem Königreich sie stammt. Und eine dieser sieben Prinzessinnen, Hanon Hosho, trägt eine himmelblaue Flosse und ist auch sonst von oben bis unten Ton in Ton gehalten. Und Cirrus mit seinem Wundergedächtnis (hat er zweifelsohne von der Frau Mama) hat sich beim Anblick der Puppe, die wir ihm damals in Ungarn kauften, sogleich an Hanon Hosho erinnert... Ich hatte sie indessen bereits lange Zeit temporär vergessen, obwohl sie auf meiner Tasche für die Schwimmsachen, die ich einst in der Sekundarschule fertigte, noch immer präsent ist, ebenso wie ihre Lieder auf dem iPod von Cirrus.
Auch auf Disneystreifen wie
Lilo & Stitch sowie Vaiana/Moana greift er gerne zurück: Ersterer handelt nicht nur von kosmischen Energien, sondern auch vom hawaiianischen Flair. Vaiana greift sogar noch tiefer auf Hunaelemente zurück, wie etwa entsprechende Götter, uralte Traditionen und eine Geschichte, die ganz Polynesien miteinbezieht. So durfte denn auch seine Vaianafigur und ihr traditionelles Boot im Gepäck nicht fehlen.

Vaiana von Cirrus
Hannah von Cirrus
Vaiana (Original)
Hanon Hosho (Original)

So kam ich also mit dem klugen Burschen beim Hallenbad an (nachdem ich meinem Frust über eine halbe Stunde sinnlose Wartezeit bei einem selten unverschämten Mitarbeiter des ZVV zumindest minim Luft gemacht hatte) und wir beide stürzten uns sogleich in die Fluten der Becken, obwohl wir uns gerade erst zuvor noch ein üppiges Mittagsmahl im Restaurant über ebendiesen gegönnt hatten.

 

Während ich im kühl gehaltenen, grossen Becken abtauchte und mich Länge für Länge auspowerte, suchte sich, direkt nebenan, der eher schnell frierende Cirrus, der sich obendrein in tiefen Gewässern sichtlich unwohl fühlt, da er sich der Macht des Wassers bewusst zu sein scheint, seinen Stammplatz im kleineren Warmwasserbecken auf: Er setzte sich breit grinsend unter den Regenschirm, wo er energisch darauf bestand allein zu sein, wann immer ich ihn zur Kontrolle ob seines Wohlergehens kurz aufsuchte oder mit ihm Fang-den-SpongeBob-Badeschwamm spielen wollte.

 

Tatsächlich sass er hochkonzentriert da, unter seiner Kuppel aus Wasser, die ihm inmitten des Trubels ein eigenes, kleines Universum zu erhalten schien. Er lenkte sein kleines Boot sorgsam durch einen stürmischen Mini-Ozean und liess seine Hannah in die blaue Tiefe tauchen, während er dabei samoanische und japanische Gesänge zum Besten gab, die er nahezu ohne akustische Fehler wiedergeben konnte.

 

Währenddessen folgte ich, beinahe schon stupide im Vergleich, den Linien auf dem Grund des grossen Beckens, Länge für Länge, ebenso vertieft in meine Gedanken – und meinen kleinen Bruder einmal mehr heimlich bewundernd, mit welcher Leichtigkeit das Wasser seine glückliche Seele trägt, obwohl er gar nicht schwimmen kann.

Glitzer-Flummi von Cirrus
Valais Water

Die Zeit floss förmlich dahin, aus Stunden wurden gefühlte Sekunden.

 

Cirrus riss mich selbstständig aus meinem "Bahnenzwang"; vermutlich war er fertig geworden mit was-auch-immer,-er-macht-das-schon-recht-so. Wir liessen uns eine Stunde lang Zeit mit dem Trocknen an der Luft und durch die heizende Sonne, ehe wir zufrieden und erfüllt den Rückweg antraten. Zuvor bestand Cirrus jedoch nochmals auf einen kleinen Imbiss und dieser konnte ich ihm, wie so ziemlich alles, natürlich nicht verwehren. Während ich mir ein stilles Wasser gönnte, das wortwörtlich die Schönheit des Matterhorns in sich trug, liess Cirrus sich an einem der altmodischen, kaugimmiautomatenähnlichen Geräten einen Flummi raus. Es gab viele, unterschiedliche Formen, von der Fisch-im-Wasser-Optik bishin zu solchen, die in allen Regenbogenfarben schillerte. Nach dem Zufallsprinzip erhielt Cirrus einen mit Glitzer gefüllten Flummi, den er mir stolz mit den Worten "Lueg mal, es Universum, voll mit Sternli!" (Schau mal, ein Universum, voll mit Sternen!) unter die Nase rieb.

 

Mit vollen Bäuchen und glücklichen Herzen erreichten wir schliesslich und endlich die Buszhaltestelle nahe dem Sportzentrum. Und während wir so erschöpft und gedanklich leicht abwesend auf die mobile Rüttelkiste warteten, überraschte uns mit einem Male eine prachtvoll gefärbte Eidechse, direkt zu meinen Füssen. Dem Aussehen nach schien es sich um eine Zauneidechse zu handeln und mein Herz machte, heute nicht zum ersten Mal, einen kleinen Hüpfer vor Glück: Zauneidechsen wurden 2005 in der Schweiz zum Tier des Jahres ernannt, da sie eine Abwehr gegen die Borreliose produzieren können – eine Krankheit, die aufgrund der hohen Anzahl an Zecken hier recht gefürchtet ist. Ferner gelten Zauneidechsen als gefährdet, da ihr Lebensraum, wie bei uns eben, zunehmend überbaut wird, weswegen man Exemplare aufgrund ihres Schutzes sogar umsiedeln muss... Umso schöner, dass wir die Ehre hatten, ein frei lebendes Exemplar zu sichten und noch dazu ein derat stattliches!

 

Nun neigt sich dieser schöne Tag dem Ende zu, aber dieses Gefühl des Glücks bleibt.
Danke.

Lacerta agilis(?)
W.i.t.c.h. – Flow (2007)
Das Meer der Seele

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